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Ihr nennt euch
Mecklenburgia. Nehmt ihr nur Mecklenburger auf?
Nein. Der Name leitet sich
historisch aus einem Stammtisch Mecklenburger Studenten in Leipzig im Jahr
1870 ab. Aber schon bald wurden in die junge Korporation Nicht-Mecklenburger
aufgenommen. Heute sind bei uns deutsche Studenten aus allen deutschen
Landen und auch Auslandsdeutsche Mitglied.
Nehmt Ihr nur Deutsche
auf? Keine Ausländer?
Ja, bei uns sind nur
Deutsche Mitglied. Wir erwarten von unseren Mitgliedern den Einsatz für das
deutsche Vaterland. Dies ist einem Ausländer nicht abzuverlangen, weil er
aus seiner Verbundenheit zu seinem Vaterland natürlich diesem verpflichtet
ist.
Ist diese Abschottung
nicht antiquiert?
Nein. Diese Denkweise
findet gerade im Ausland große Akzeptanz und ist dort nahezu
selbstverständlich. Es ist eher eine deutsche Besonderheit, daß viele
Mitbürger Probleme haben, sich zu ihrem Volk und Vaterland zu bekennen und
sich dafür einzusetzen. Wir schotten uns übrigens nicht ab. Wir freuen uns
über die vielfältigen Auslandsaufenthalte unserer Mitglieder, die in vielen
Ländern der Welt beruflich tätig sind bzw. waren oder dort
Studienaufenthalte und Praktika verbringen. Die ausländischen Gäste auf
unserem Verbindungshaus finden übrigens unser spezifisch deutsches
Studentenleben mit der Bewahrung traditioneller Formen sehr attraktiv.
Euer
Nationalbewußtsein ist also nicht ausländerfeindlich?
Im Gegenteil. Die
Korporationen haben ihre Wurzel in den freiheitlichen Bewegungen der
Befreiungskriege und der demokratischen Revolution von 1848. Unsere
Einstellung zur Nation läßt sich am Gedicht Ferdinand Freiligraths, eines
Dichters der Revolution von 1848 darstellen:
“Am Baum der Menschheit
drängt sich Blüth` an Blüthe ... und jede Blüthe ist ein Volk, ein Land!”
Freiligrath gibt der Hoffnung Ausdruck, daß sich auch Deutschland, von der
Freiheit beseelt, zu einer prächtigen Blume entwickeln möge. Dafür setzen
auch wir uns ein.
Dieses nationale
Denken entspricht aber nicht dem Zeitgeist!?
Das ist wohl richtig. Uns
zeichnet eine gewisse Resistenz gegenüber dem Zeitgeist aus. Wir fühlen uns
dauerhafteren Werten verbunden, als jenen, die die Spaßgesellschaft derzeit
prägen. Ehre, Freiheit, Freundschaft, Vaterland sind Begriffe, die auch viel
mit Pflichten zu tun haben. Sie bilden ein dauerhafteres Fundament als die
egozentrischen und ausschließlich am eigenen Wohlergehen orientierten
Maximen, die derzeit modern sind.
Das Gedicht Freiligraths
entsprach im übrigen auch damals nicht dem Zeitgeist. Es wurde vom
königlichen Ober-Censurgericht zu Berlin im Jahr 1844 verboten. Die heutige
“Political Correctnes”, die versucht vaterländische Positionen ins Abseits
zu drängen, steht in “würdiger” Nachfolge dieser Zensurbehörde.
Isoliert ihr euch
nicht mit dieser Haltung ?
Nein. Die Einstellung zu
Grundfragen ist einer Mehrheitsabstimmung nicht zugänglich. Wir gehen
übrigens davon aus, daß in der historischen Entwicklung das geeinte
Deutschland im vereinten Europa seinen Platz selbstbewußt und
gleichberechtigt ausfüllen wird. Dies wird zu einem dauerhaften stabilen und
friedlichen Miteinander der europäischen Nationen führen. Dies ist der Wille
der meisten Europäer. Der derzeitige deutsche Sonderweg mit seinem
verkrampften Verhältnis zur eigenen Nation ist eine Übergangserscheinung,
die hoffentlich bald mit dem Abtreten der Generation der 68er sein Ende
finden wird. Wir wollen zu seiner Überwindung beitragen.
Die Durchsetzung der
Wiedervereinigung durch das deutsche Volk gegen den Willen der Regierung der
damaligen DDR und gegen den Willen von breiten Teilen der politischen Klasse
der damaligen Bundesrepublik hat die tiefe Verankerung nationalen Denkens
bewiesen. Diese Entwicklung war übrigens auch ein Beleg für den
Opportunismus in der Politik. Hinterher waren (fast) alle schon immer für
die Wiedervereinigung. Insofern können wir von der Anpassungsfähigkeit der
politischen Klasse bei dem Normalisierungsprozeß Deutschlands im vereinten
Europa ausgehen.
Ihr kritisiert die
Spaßgesellschaft – seid ihr spaßlos?
Im Gegenteil! Korporationen
standen schon immer für ein fröhliches Studentenleben. Mecklenburgia feiert
häufig Feste. Die Erinnerungen an gemeinsame legendäre Feiern sind ein Teil unseres
Zusammenhalts. Wir fordern von uns aber auch das Bestehen der
Herausforderungen der ernsten Seiten des Lebens, die Erfüllung der Pflichten
aus Studium und Beruf, gegenüber Familie und Freundschaften und auch
gegenüber dem Vaterland. So fordern wir von unseren Mitgliedern, daß sie im
Falle der Einberufung der Wehrpflicht nachkommen. Dies entspricht unserem
Verständnis von staatsbürgerlicher Pflichterfüllung.
(Näheres im Archiv: "Einsatz für
Freiheit und Vaterland")
Nehmt ihr
Kriegsdienstverweigerer auf?
Nein. Wer sich aus
Gewissensgründen nicht in der Lage sieht, sein Vaterland, seine Nächsten und
sich selber zu verteidigen, paßt nicht in unsere Gemeinschaft, die von ihren
Mitgliedern den Einsatz für Freiheit und Vaterland verlangt.
(Näheres im
Archiv:
"Einsatz für Freiheit und Vaterland")
Aber viele
Jugendliche betrachten doch die Entscheidung zwischen Bundeswehr und
Zivildienst als freie Wahl. Dies wird ihnen doch in vielen Schulen und
Elternhäusern so vermittelt?
Das ist wohl richtig. Das
Gesetz sieht aber die Wehrpflicht vor und die Ausnahme nur bei einer
Gewissensentscheidung, die jeder für sich selbst trifft. Daß der Einfluß der
68er viele Jugendliche ohne wirkliche Gewissensprüfung in die
Kriegsdienstverweigerung gebracht hat, ist uns auch klar. Aber letztlich
verantwortet jeder seine Entscheidung selbst. Eine Entscheidung gegen den
Wehrdienst zu fällen, ohne den im Grundgesetz garantierten
Verweigerungsgrund für sich wirklich in Anspruch nehmen zu können, ist auch
eine Frage der Ehre.
Der AStA stellt Euch in
die rechte Ecke und in die Nähe von Skinheads und NPD. Was ist dran?
Nichts. Unsere
Landsmannschaft existiert seit mehr als 130 Jahren. Sie ist in transparenter
Weise demokratisch strukturiert. Unsere Mitglieder sind dem Patriotismus,
d.h. dem Einsatz für unser Vaterland und unserem Gemeinwesen verpflichtet.
Ihr vielfältiges berufliches und ehrenamtliches Engagement hat sie stets in
verantwortungsvolle Funktionen in Staat und Wirtschaft geführt, bis hin in
höchste Staatsämter und herausgehobene Wirtschaftsfunktionen. Mit
extremistischen Randgruppen unserer Gesellschaft haben wir nichts zu tun.
Auf die Frage nach der
“rechten Ecke” gab es die von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in eine
langen Artikelfolge gestellte Gegenfrage “Was ist rechts?” Die Antworten
waren naturgemäß vielfältig. Auf entsprechende Anwürfe von links pflegte
Altbundeskanzler Kohl in seinen Veranstaltungen zu sagen: “Es gibt eben
Menschen, die halten jemanden, der jeden Morgen um 9.00 Uhr pünktlich zur
Arbeit erscheint, schon für rechtsradikal.” Wir lehnen eine Einordnung
unserer konservativen Wertorientierung durch simplifizierende Schlagworte ab
und überlassen es jedem unserer Mitglieder, sich selbst politisch zu
verorten, falls der einzelne dies für sinnvoll hält.
Warum führt der AStA
diese Kampagne gegen die Korporationen?
Wer selbst schwach ist,
braucht ein Feindbild. Der AStA steht gerade in Hamburg seit 1968 in einer
unseligen Tradition. Oft getragen von Linksextremisten, die zu DDR-Zeiten
auch von dort finanziert wurden, hat er über Jahrzehnte eine Politik
getrieben, die die eigentlichen studentischen Interessen (wie die
Studienbedingungen an der Universität) meist weniger betraf als
allgemeinpolitische Fragestellungen. Die Ausgrenzung und Diskriminierung
Andersdenkender durch Redeverbote auf Veranstaltungen und Behinderungen bei
der politischen Arbeit war intergraler Bestandteil der Politik der den AStA
tragenden, im Laufe der Jahre wechselnden,linken studentischen
Gruppierungen.
Nach der Wende 1989
zerbrachen viele linke Illusionen. Auf der Suche nach einem Sinn hilft in
solchen Lagen oft ein klares Feindbild weiter. Dazu müssen die Korporationen
herhalten. Aus Wahrheiten, Halbwahrheiten und Unwahrheiten wurde ein
ungenießbares Gebräu zusammengerührt. Dies wird nun in regelmäßigen
Abständen der Studentenschaft vorgesetzt. Zigfach dementierte Vorgänge
werden immer wieder aufgewärmt. Durch die elektronischen Medien sind sie
stets abrufbar, damit leicht wiederverwertbar und erwecken durch den
scheinbaren Quellenbezug und gute digitalisierte Aufarbeitung eine falsche
Authentizität.
Mit einem Feindbild lebt es
sich offenbar besser, weil man sich im eigenen Kopf positiv davon abheben
kann. Mit der Realität hat dieses Phänomen nichts zu tun. Insofern ist eine
rationale Sachargumentation hier auch wenig hilfreich, eher wäre dies schon
eine im Fachbereich Psychologie zu leistende Aufarbeitung.
Die in Hamburg lange
Tradition des selbsternannten “Antifaschismus” hat übrigens oft zu
seltsamen Blüten geführt. Die ehemaligen Studenten erinnern sich noch an
Spruchbänder aus den 70er Jahren, auf denen es hieß: “Bekämpft die
Faschisten von Schmidt bis Strauß”. Der heutige AStA begibt sich in seiner
Realitätswahrnehmung auf das Niveau seiner geistigen Vorgänger aus den 70er
Jahren und ist insofern deren würdiger Nachfolger.
Aber gerade
Mecklenburgia werden doch konkrete Vorwürfe gemacht, die durch eine Rede
eines eurer Mitglieder in Coburg im Jahr 1993 belegt wird!
Der Vorwurf ist Unsinn.
Unser verdienter Bundesbruder Prof. Dr. Dieter Wiebecke, Oberstarzt d. Res.
und Träger des Bundesverdienstkreuzes, hat 1993 unserer Toten der Weltkriege
gedacht. In sein Gedenken hat er auch die ehemaligen Feinde einbezogen.
Diese in Achtung vor den Toten gehaltene Rede wird immer wieder in ihren
Inhalten völlig verzerrt dargestellt. Die Rede ist schon immer
veröffentlicht gewesen. Sie steht im Netz. Jeder kann sich ein eigenes
Urteil bilden.
Was erwartet ihr vom
AStA?
Der AStA soll die
Interessenvertretung der Studentenschaft sein. Er ist aufgefordert, sich
dieser Aufgabe zu widmen. Dort gibt es soviel zu tun, daß für die
Diffamierung Andersdenkender eigentlich keine Zeit sein sollte.
Des weiteren sollte der
AStA seine Geschichte nach 1968 aufarbeiten. Er sollte selbstkritisch seine
Beziehungen und die der ihn damals und heute tragenden Gruppierungen zum
Regime der DDR erkunden und offenbaren. Er sollte auch die weiteren von ihm
und den ihn tragenden Gruppierungen zu verantwortenden Demokratiedefizite
ermitteln und bekennen. Wenn dieser Aufarbeitungsprozeß vorurteilsos und
objektiv vonstatten geht, wird der AStA nicht umhin kommen, sich in Demut an
die von ihm diskriminierten Gruppen an der Universität, wie den Ring
christlich-demokratischer Studenten und viele Korporationen, zu wenden und
sich zu entschuldigen.
Wie steht es mit dem
Vorwurf des Antisemitismus?
Auch dieser Vorwurf ist
eine Verleumdung nach dem Motto: Bewerfen wir den Gegner mit Dreck, irgend
etwas wird schon hängenbleiben.
Die Religionszugehörigkeit
ist bei uns Sache jedes Einzelnen. Wir respektieren die entsprechenden
Entscheidungen unserer Mitglieder. Diese sind uns insgesamt noch nicht
einmal bekannt.
Aber es werden doch
konkrete Vorwürfe zitiert.
Die Sachverhalte, die den
uns bekannten Vorwürfen zugrunde liegen, stammen aus den 20er und 30er
Jahren des letzten Jahrhunderts oder sind noch älter. Mecklenburgia ist im
übrigen nicht betroffen. Die Sachverhalte sind in ihrer historischen
Darstellung verzerrt beschrieben und haben mit der heutigen Zeit nichts zu
tun. Wahr ist, daß es an den deutschen Hochschulen besonders im ausgehenden
19. und in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts dem Zeitgeist gemäß
in der Studentenschaft antisemitische Vorbehalte gegeben hat. Diese Strömung
betraf die Gesellschaft insgesamt – in ganz Europa und auch in Amerika. Die
Studentenschaft neigt offenbar dazu, zeitgeistige Strömungen besonders
intensiv aufzugreifen und zu verstärken. Davon blieben damals – wie viele
andere Gruppierungen – auch die Korporationen nicht frei. Dieses Thema ist
seitens der Korporationen wissenschaftlich aufgearbeitet worden. Unsere
Konsequenz ist, daß wir uns in unserem Denken und Handeln eng an unsere
allgemeingültigen Werte halten und zeitgeistige Strömungen daran messen.
Für die Landsmannschaft
Mecklenburgia ist in der historischen Betrachtung festzuhalten, daß ihr
Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg und dem Verbot im 3. Reich von der
nachhaltigen ideellen und materiellen Unterstützung eines in den 20er Jahren
nach Amerika ausgewanderten jüdischen Alten Herren begleitet wurde. Dessen
Urteil und dessen Idealismus sind für uns ein wichtiger Maßstab für die
historische Beurteilung unserer Geschichte und der dabei jeweils handelnden
Mitglieder.
Warum sind Frauen bei
euch keine Mitglieder?
Wir sind ein Männerbund.
Dabei soll es auch bleiben. Daß seitens einer Frau die Mitgliedschaft in
einer schlagenden Verbindung begehrt worden wäre, wäre uns im übrigen neu.
Aber im Kern ist die Frage
mit unserer Aussage zu beantworten, daß wir die Pflege von Freundschaft und
Kameradschaft im Kreis von Männern als positiv betrachten und erfahren.
Mittlerweile ist im übrigen
selbst Feministinnen nicht entgangen, daß es geschlechtsspezifisch
unterschiedliches Verhalten im Gruppenzusammenhang gibt, sonst wären wohl
nicht so viele Frauengruppen mit den unterschiedlichsten Zielsetzungen
gegründet worden.
Wir haben uns für unseren
Männerbund entschieden. In unserer pluralistischen Gesellschaft ist dies
eine Option, die im Gegensatz zu vielen anderen Varianten der
Zusammengehörigkeit den Vorteil hat, sich schon – wie in unserem Fall – seit
über 130 Jahren bewährt zu haben.
Das Mitwirken der Frauen
findet bei uns, übrigens sehr erfolgreich, im Rahmen der jeweiligen
Zweierbeziehung statt.
Ihr bekennt euch zum
Begriff der Ehre. Ist dies nicht recht altertümlich?
Dies ist ein
oberflächlicher Eindruck. Selbst in unserer Spaßgesellschaft stellt man doch
gelegentlich fest, daß – recht einvernehmlich – manches Verhalten doch als
“Frage der Ehre” betrachtet wird.
Im übrigen zeigt die
tägliche Lektüre der Zeitung, daß es in Deutschland bei den Verantwortlichen
in Politik und Wirtschaft das wünschenswerte ehrenhafte Denken und Handeln
im Interesse des Gemeinwohls keinesfalls im Übermaß vorhanden ist. Insofern
wäre es durchaus angebracht, wenn der Begriff der Ehre auch über den
Korporationsbereich hinaus eine breite Anerkennung und Verankerung fände.
Wir glauben schon, daß dies dem Lebensgefühl der allermeisten Menschen
entspräche. Vielleicht fehlt nur der Mut, dies offensiv zu bekennen.
Warum verwendet ihr
deutsche Begriffe, wie z.B. “elektronische Post” statt des üblichen e-mail?
Wir meinen, daß die Pflege
der deutschen Sprache eine wesentliche Aufgabe nicht nur, aber gerade auch
von Akademikern ist. Die derzeit grassierende bewußte oder gedankenlose
massenhafte Verwendung von Anglizismen hat uns veranlaßt, in unserem Rahmen
zu überlegen, ob es im Einzelfall für einen Anglizismus nicht auch ein
gleichwertiges oder besseres deutsches Wort gibt. Dies geschieht ganz
unverkrampft und ohne einen überhöhten missionarischen Anspruch. Wir freuen
uns aber, daß dieses Bestreben zunehmend von vielen Menschen geteilt wird,
denen die deutsche Sprache am Herzen liegt und die unterschiedlichster,
keinesfalls nur konservativer Herkunft sind. Unsere Haltung entspricht nicht
nur der Regierungspolitik in vielen unserer europäischen Nachbarländer, wie
Finnland, Frankreich oder Polen, sondern wird auch bestärkt durch
vielfältige Äußerungen aus dem englischsprachigen Ausland, wo die – oft ja
auch unfreiwillig ungeschickte – Verwendung englischer Vokabeln wenig
Beifall findet.
Wir empfehlen unseren
Mitgliedern, lieber gutes Englisch zu lernen als schlechtes Denglisch zu
verwenden. |